Ergebnisse vom 30. Hermannslauf 2001
Pressespiegel (1)
Bielefelder Tageszeitungen:
Westfalen-Blatt, Nr. 100 vom Montag, den 30. April 2001
Artikel der Sport-Sonderseite zum Hermannslauf

30. Hermannslauf: Lundström und Thoma müssen sich einem Besseren beugen
Sachse regiert auf der Sparrenburg
Von Hans Peter K i p p (Texte) und Stefan H ö r t t r i c h (Fotos)

B i e l e f e l d (WB). Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Eine Redensart diente als Motto des 30. Hermannslaufes. Zwar lieferten sich die beiden ostwestfälischen Favoriten, Ingmar Lundström (Active Sport Shop) und Carsten Thoma (Non-Stop-Ultra Brakel), den erwarteten Zweikampf. Doch den Sieg beim Lauf-Spektakel vom Hermannsdenkmal zur Sparrenburg stahl ihnen am Sonntag ein "Auswärtiger": Mit Rene Witt von der SG Adelsberg triumphierte ein Läufer, den niemand auf der Rechnung hatte - und auch gar nicht haben konnte. Denn Witt hatte sich erst am Samstag für einen Start beim 30,7 km-Lauf "ummelden" lassen.

"Ein Sachse hat gewonnen!" Unter dem nicht zu überhörenden Jubelgeschrei seines Tempomachers Karl-Heinz Preschner, der den in Oeslnitz im Vogtland lebenden Läufer auf dem Mountainbike begleitet hatte, überquerte der 30-Jährige nach 1:46:35 Stunde unter dem begeisterten Applaus von rund 8 000 Zuschauern als Erster die Ziellinie.

Er blieb damit über der Zeit des verletzten Vorjahressiegers Marcus Biehl; lag aber 40 Sekunden vor dem Zweitplatzierten Lundström, der damit die Wiederholung seines Triumphes von 1999 knapp verpasste. Grundlage von Witts Erfolg war neben der läuferischen Qualität auch die Taktik. Nachdem er zunächst gemeinsam mit Thoma ("Der Rene hat sich netterweise etwas zurückgehalten") an der Spitze gelaufen war, attackierte Witt ungefähr zwei Kilometer vor den Lämershagener Treppen und holte sich dort den entscheidenden Vorsprung von rund 400 Metern.

Diese Stelle hatte er 24 Stunden zuvor ausgekundschaftet, als er sich mit dem Profil der ihm bis dahin völlig unbekannten Strecke vertraut gemacht hatte. "Ich suche mir immer einen bestimmten Angriffspunkt aus, meistens auf den ersten Kilometern. Aber hier kannte ich mich ja gar nicht aus", sagte Witt nach seinem Triumph.

Zwar kamen Lundström und Thoma mit vereinten Kräften noch einmal näher heran, doch auf den letzten Kilometern hatte der Mann aus Sachsen die größten Reserven. Lundström, der bewusst etwas zurückhaltend angegangen war, verwies Thoma noch auf Rang drei. "Rene und Imgmar waren heute einfach stärker. Das muss man akzeptieren", sagte der Bad Driburger, der sich mit seinen Kollegen von Non-Stop-Ultra Brakel mit dem Sieg in der Mannschaftswertung trösten durfte. Das neongelbe Quintett aus dem Kreis Höxter verwies die SV Brackwede auf den zweiten Platz.

Nur eine war die ganze Zeit vom Sieg des Läufers mit der Startnummer 1972 überzeugt. Witts Freundin Regina Büttner wirkte schon früh recht siegessicher. "Rene lässt sich nicht so gerne überholen", begründete sie ihre Zuversicht. Mangels sonstiger Informationsquelle wurde sie nach Bekanntgabe der ersten Zwischenresultate zur beliebten Auskunftsstelle: Und schnell wurde deutlich, dass das "unbeschriebene Blatt" in seiner Heimat eine "große Nummer" ist. So ist Witt sächsischer Meister im Marathon und Halbmarathon, gewann im vergangenen Jahr den Rennsteig-Lauf über 30 Kilometer und belegte beim Dresden-Marathon den zweiten Platz. Trainiert wird er von Heiko Schinkitz, der in den 8Oer-Jahren einer der großen DDR-Langstreckler war und später in seiner Altersklasse Welt- und Europameister wurde. Er war es auch, der Witt den entscheidenden Tipp gab: "Mach den 'Hermann' als Vorbereitung für den Rennsteiglauf."

Über die Schwierigkeiten, die sich hier in Ostwestfalen-Lippe den Aktiven in den Weg stellen, staunte er jedoch nicht schlecht. "Ich würde sagen, dieser Lauf ist vom Profil her der härteste."

Und selbstverständlich wolle er, wenn nichts dazwischen komme, in 2002 seinen Titel verteidigen. Für die heimischen Läufer dürfte es also schwierig werden, "ihren" Kultlauf künftig zu gewinnen.

Foto:

Endlich eingeholt: Carsten Thoma (links) und Ingmar Lundström konnten Hermannslauf-Sieger Rene Witt erst im Ziel das Wasser reichen.