Ergebnisse vom 31. Hermannslauf 2002
Pressespiegel (1)
Bielefelder Tageszeitungen:
Westfalen-Blatt, Nr. 99 vom Montag, den 29. April 2002
Artikel der Sport-Sonderseite zum Hermannslauf

Dauerregen verwandelt 31. Hermannslauf in Schlammschlacht
René Witt besiegt den Lehrer
Von Jürgen V a h l e (Text) und Christian W e i s c h e (Fotos)
B i e l e f e l d (WB).

»Heute wird es keine Bestzeiten geben«, prognostizierte Udo Brand-Hüdepohl, Trainer beim SV Brackwede, gestern vor Beginn des 31. Hermannslaufes. Diesmal irrte der Laufexperte. Fast 7000 Sportler machten sich bei peitschendem Dauerregen vom Hermannsdenkmal in Detmold in Richtung Sparrenburg auf. Und die 30,6 Kilometer durch den Teutoburger Wald wurden zu einer wahren Schlammschlacht. Vorjahresgewinner René Witt (LG Vogtland) bezwang die Strecke in 1:43,09 Stunden - schneller hat den Hermannslauf noch niemand beendet. »Das war ein Rennen nach Maß«, kommentierte Witt seinen glanzvollen Sieg. Bei den Frauen holte sich Geheimtipp Ricarda Botzon den Titel. Die Ultra-Langstreckenläuferin aus Niedersachsen siegte in 2:06,35 Stunden.

Der Schlamm klebte René Witt nach dem Zieleinlauf am ganzen Körper. Seine zahlreichen Tätovierungen an den Armen waren vor lauter Dreck nur noch schemenhaft zu erkennen. Dennoch strahlte der Gewinner. Und dies vohl nicht nur wegen seiner glanzvollen Zeit. Ebenfalls große Genugtuung dürfte dem Sachsen die Tatsache bereitet haben, dass er seinen ehemaligen Coach Heiko Schinkitz auf den zweiten Patz verweisen konnte.

Schinkitz und Witt beendeten zuletzt ihre Zusammenarbeit nach Unstimmigkeiten. Trotz der Tatsache, dass Schinkitz 14 Jahre älter als sein ehemaliger Schüler ist, lieferten sich die beiden zumindest bis Kilometer 20 ein, Kopf-an- Kopf-Rennen. Erst dann baute der spätere Gewinner seinen Vorsprung Zug um Zug aus. Vorher hatte Witt, der die Hermannslaufstrecke aus dem Vorjahr noch. kannte, einen guten Tipp für den ärgsten Konkurrenten. »René hat mir den Rat gegeben, mir noch Kräfte für das Ende aufzusparen. Er hatte recht, da ging es noch mal ganz schön hoch«, berichtete Schinkitz nach dem Rennen. Auch im nächsten Jahr will der M45- Sieger der Halbmarathon-DM am Hermannslauf teilnehmen.

Bei den Frauen lief Ricarda Botzon ein einsames Rennen bis zum Sieg. Mit mehr als drei Minuten Vorsprung verwies sie Sonja Schade (SV Brackwede) und Katjana Quest-Altrogge (TG Lage) auf die Plätze. Dass es überhaupt eine so schnelle Frau vor ihnen gab, überraschte die geschlagenen Frauen. »Auf der Strecke konnte uns keiner sagen, ob schon eine Läuferin vor uns vorbeigekommen ist. Schade sonst hätte ich vielleicht noch einige Kräfte mehr freisetzten können«, kritisierte die Viertplatzierte Annegret Gröppel (Non-Stop-Ultra Brakel).

Keine Siegchancen hatten die ostwestfälischen Läufer. Marcus Biehl (SV Brackwede) kam als Bester aus der Region auf den dritten Platz. »Die Sachsen laufen in einer ganz anderen Klasse. Ich bin für mich das Rennen meines Lebens gelaufen«, resümierte Biehl. Kein Wunder, immerhin war er gestern noch acht Sekunden schneller als bei seinem Sieg im Jahr 2000.

Etwas ärgerlich über die starke Konkurrenz aus Ostdeutschland was der zum Favoritenkreis zählende Carsten Thoma (NSU Brakel). »An die Beiden ist nicht ranzukommen, die gehören zur erweiterten deutschen Spitze und sind keine Amateurläufer wie wir. Es wird immer schwerer, beim Hermannslauf eine gute Platzierung zu erreichen. In Zukunft muss ich mir überlegen, ob ich hier noch laufe!«

Trotz des Dauerregens zog Horst Szuba vom Veranstalter TSVE 1890 Bielefeld gestern Nachmittag ein positives Fazit: Unsere Logistik ist voll aufgefangen - vom Start am Hermannsdenkmal bis zur Sparrenburg. Und auch der Bustransfer lief ohne Probleme. Ein großes Lob an die Läufer, die waren alle sehr diszipliniert.« In Sachen Teilnehmerzahl waren sich Veranstalter und Läufer aber einig: Des Ende der Fahnen stange ist jetzt, mit 7000 Teilnehmern, erreicht. Für mehr ist beim Start am Hermann und bei der Ankunft an der Sparrenburg einfach kein Platz.

»Das war Das Rennen meines Lebens.« Marcus B i e h I (SV Brackwede), Dritter in persönlicher Bestzeit

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Lorbeeren für die Siegerin: Ricarda Botzon, die für das Deutsche Lauftherapiezentrum Bad Lippspringe an den Start ging, ist Hermannslauf-Gewinnerin 2002. Zuletzt gewann sie den unterirdischen Marathon im alten Elbtunnel in Hamburg. Seinen Titel bei den Männern verteidigte René Witt (Mitte, LG Vogtland). In der schnellsten Zeit die jemals bei einem Hermannslauf abgeliefert wurde, verwies er seinen ehemaligen Trainer Heiko Schinkitz (links, SG Adelsberg) und den Lokalmatador Marcus Biehl (SV Brackwede) auf die Plätze zwei und drei.