Ergebnisse vom 33. Hermannslauf 2004
Pressespiegel (1)
Bielefelder Tageszeitungen:
Westfalen-Blatt, Nr. 97 vom Montag, den 26. April 2004
Artikel der Sport-Sonderseiten zum Hermannslauf

Zweiter Triumph nach 2000
Marcus Biehl hält Brouwer in Schach
B i e l e f e l d (WB/tip).

Sonne, angenehme Temperaturen, leichter Ostwind - schon am Hermanns­denkmal sagte dieser Tag dem Oerling­hausener Marcus Biehl zu. Und das sollte sich nicht ändern: Der 34 Jahre alte, zur SV Brackwede zurückgekehrte Lang­streckler lief gestern ein einsames Rennen. Mit fast fünf Minuten Vorsprung gewann er souverän zum zweiten Mal nach 2000 den Hermanns­lauf vor Vorjahres­sieger Philipp Brouwer vom LC Paderborn.

Mit ausgebreiteten Armen lief Biehl nach exakt 1:44:36 Stunde in persönlicher Bestzeit über die Ziel­linie und genau in die Arme seiner Freundin Birgit Müller. Ihr galt auch sein erster Dank: »Sie hat mich in den vergangenen Wochen unglaublich unterstützt.« Das Lob für SVB-Trainer Udo Brandt-Hüdepohl, gestern wegen einer Konfirmation nicht an der Strecke, folgte sogleich: »Man muss sich ja nur die Mann­schafts­wertung anschauen.« Fast wäre für den Top-Läufer, der mit der SV Brackwede auch überlegen die Team­wertung holte, sogar der Strecken­rekord (Rene Witt: 1:43:09) drin gewesen. »Als ich nach 20,6 Kilometer in 1:08 Stunde unterwegs war, habe ich gedacht, dass ich den Rest in 35 Minuten wohl schaffen müsste«, erzählte der nunmehr zweifache Hermanns­lauf-Triumphator, der seinen ersten Erfolg mit einer lang­wierigen Knie­verletzung bezahlen musste. Damals ließ er sich fit spritzen, um sich den Kind­heits­traum zu erfüllen. Dieses Mal lief auch vorher alles glatt. Biehl fühlte sich so fit wie nie zuvor.

Bereits am Ehberg, dem ersten Anstieg; habe er Philipp Brouwer »schwer atmen« gehört, berichtete er im Ziel, als der Zweit­platzierte noch unter­wegs war. Brouwer konnte nicht mehr folgen; Biehl zog davon. Die Lämers­hagener Treppen nahm er berauscht von der Erfolgs­aussicht gleich im »Dreier­pack«. Doch dann: Seiten­stechen und ein leichter Krampf bei Kilo­meter 26: Biehl musste bremsen und ein paar Meter gehen: »Sonst wäre der Rekord möglich gewesen. So war ich froh, dass der Vorsprung so groß war.«

Der Mann mit dem Schach­brett­muster als Frisur, Philipp Brouwer (21), nahm seinen zweiten Platz gelassen: »Nach dem Training hatte ich nicht geglaubt, dass ich durch­laufen könnte. Mit dem zweiten Platz bin ich zufrieden. Jetzt werden wir beide feiern. Marcus bekommt wie versprochen sein Bier.« Im Schatten dieses einseitigen Duells erlief sich Duathlet Jörn Strothmann vom LC Solbad Ravens­berg den dritten Platz.

Eine bemerkens­werte Hermanns­lauf-Premiere feierte Burkhard Wrenger. Der ehemals heraus­ragende Bahn­läufer der Region hatte immer gesagt: »Den Hermann laufe ich erst, wenn ich mit dem Laufen aufgehört habe.« Jetzt, mit 39 Jahren, war die Zeit reif. Der für die ASG Teuto­burger Wald ins Rennen gegangene Güters­loher ist aus Rostock zurück und wieder in OWL heimisch geworden. Als Professor für Umwelt­informatik lehrt er an der Fach­hoch­schule Lippe. Laufen gilt ihm deshalb nur noch als angenehmer Zeit­vertreib. Deshalb waren seine Worte vor dem Start auch keine Tief­stapelei: »Wenn ich mit den Jungs mitlaufen würde, wäre ich verrückt.«

»Ich habe drei Ziele: den Sieg beim Hermanns­lauf, einmal auf dem Matterhorn stehen und einen Triathlon absolvieren.« Marcus Biehl

Foto:   Zwei im Sieger­kranz: Philip Brouwer (r.) löste anschließend die Wette ein und spendierte dem großen Gewinner Marcus Biehl wie versprochen ein Bier.