B i e l e f e l d (WB/tip).
Sonne, angenehme Temperaturen, leichter
Ostwind - schon am Hermannsdenkmal sagte dieser Tag dem
Oerlinghausener Marcus Biehl zu. Und das sollte sich nicht ändern:
Der 34 Jahre alte, zur SV Brackwede zurückgekehrte Langstreckler
lief gestern ein einsames Rennen. Mit fast fünf Minuten Vorsprung
gewann er souverän zum zweiten Mal nach 2000 den Hermannslauf
vor Vorjahressieger Philipp Brouwer vom LC Paderborn.
Mit ausgebreiteten Armen lief
Biehl nach exakt 1:44:36 Stunde in
persönlicher Bestzeit über die
Ziellinie und genau in die Arme
seiner Freundin Birgit Müller. Ihr
galt auch sein erster Dank: »Sie
hat mich in den vergangenen Wochen
unglaublich unterstützt.«
Das Lob für SVB-Trainer Udo
Brandt-Hüdepohl, gestern wegen
einer Konfirmation nicht an der
Strecke, folgte sogleich: »Man
muss sich ja nur die
Mannschaftswertung anschauen.«
Fast wäre für
den Top-Läufer, der
mit der SV Brackwede
auch überlegen die Teamwertung
holte, sogar der
Streckenrekord
(Rene Witt: 1:43:09)
drin gewesen. »Als
ich nach 20,6 Kilometer
in 1:08 Stunde
unterwegs war, habe ich gedacht,
dass ich den Rest in 35 Minuten
wohl schaffen müsste«, erzählte
der nunmehr zweifache
Hermannslauf-Triumphator, der seinen
ersten Erfolg mit einer langwierigen
Knieverletzung bezahlen
musste. Damals ließ er sich fit
spritzen, um sich den Kindheitstraum
zu erfüllen. Dieses Mal lief
auch vorher alles glatt. Biehl fühlte
sich so fit wie nie zuvor.
Bereits am Ehberg, dem ersten
Anstieg; habe er Philipp Brouwer
»schwer atmen« gehört, berichtete
er im Ziel, als der Zweitplatzierte
noch unterwegs war. Brouwer
konnte nicht mehr folgen; Biehl
zog davon. Die Lämershagener
Treppen nahm er berauscht von
der Erfolgsaussicht gleich im
»Dreierpack«. Doch dann: Seitenstechen
und ein leichter Krampf
bei Kilometer 26: Biehl musste
bremsen und ein paar Meter gehen:
»Sonst wäre der Rekord möglich gewesen.
So war ich froh, dass
der Vorsprung so groß war.«
Der Mann mit dem Schachbrettmuster
als Frisur, Philipp Brouwer
(21), nahm seinen zweiten Platz
gelassen: »Nach dem Training
hatte ich nicht geglaubt, dass ich
durchlaufen könnte. Mit dem
zweiten Platz bin
ich zufrieden. Jetzt
werden wir beide
feiern. Marcus bekommt
wie versprochen sein
Bier.« Im Schatten
dieses einseitigen
Duells erlief
sich Duathlet Jörn
Strothmann vom LC
Solbad Ravensberg
den dritten Platz.
Eine bemerkenswerte
Hermannslauf-Premiere feierte
Burkhard Wrenger. Der ehemals
herausragende Bahnläufer der
Region hatte immer gesagt: »Den
Hermann laufe ich erst, wenn ich mit
dem Laufen aufgehört habe.«
Jetzt, mit 39 Jahren, war die Zeit
reif. Der für die ASG Teutoburger
Wald ins Rennen gegangene
Gütersloher ist aus Rostock zurück
und wieder in OWL heimisch
geworden. Als Professor für
Umweltinformatik lehrt er an der
Fachhochschule Lippe. Laufen gilt
ihm deshalb nur noch als
angenehmer Zeitvertreib. Deshalb
waren seine Worte vor dem Start
auch keine Tiefstapelei: »Wenn ich
mit den Jungs mitlaufen würde,
wäre ich verrückt.«
»Ich habe drei Ziele:
den Sieg beim Hermannslauf,
einmal auf
dem Matterhorn stehen und
einen Triathlon absolvieren.«
Marcus Biehl
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Zwei im Siegerkranz: Philip Brouwer (r.) löste
anschließend die Wette ein und spendierte dem
großen Gewinner Marcus Biehl wie versprochen ein Bier.
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