VON JÖRG FRITZ
Bielefeld
Schon 50 Meter vor dem Ziel auf der Promenade
an der Bielefelder Sparrenburg
riss Elias Sansar jubelnd
die Arme hoch. Den skeptischen
Blick nach den Verfolgern
schenkte sich der gebürtige
Kurde, denn weit und breit
war niemand in Sicht, der die
erfolgreiche Titelverteidigung
des 27-Jährigen vom TuS Eintracht
Bielefeld ernsthaft in Gefahr
bringen konnte.
Die Uhr blieb bei 1:48:44 Stunden
stehen, als Sansar
von TSVE-Funktionär Jürgen
Schulz den Lorbeerkranz während
des Zieleinlaufs überreicht
bekam. Frisch wie beim Start
wirkte der alte und neue Champion,
als er sich den Fotografen
stellte. "Dieser Sieg fiel mir leichter
als vor zwölf Monaten", berichtete
Sansar, dem die Strapazen
der 31,1 Kilometer überhaupt
nicht anzumerken waren.
Ungewöhnlich auch, dass Sansar
während dieser Distanz
nicht einen Schluck Flüssigkeit
zu sich genommen hatte. Seine
Erklärung: "Ich kann nur laufen
oder trinken. Beides zusammen
funktioniert bei mir nicht."
Zweiter in diesem Rennen
wurde der große Unbekannte
mit der Startnummer 3.576, die
von Jürgen Wieser getragen
wurde. Der 38-Jährige kommt
aus Baden-Württemberg und
lief bei seiner Hermannslauf-Premiere
mit 1:49:58 Stunden
eine beachtliche Zeit. Michael
Brand (NSU Brakel) folgte als
Dritter in 1:51:36 Stunden. Der
24 Jahre Maschinenbaustudent
war rundum zufrieden. Mit
dem Bronzerang hat Brand
seine bislang beste Hermannslauf-Platzierung
erreicht und zudem noch eine persönliche Bestzeit
aufgestellt.
Zwei Drittel des Rennens diktierte
mit Jürgen Wieser der
Gastläufer aus Elwangen das Geschehen.
"Der ist wie eine Rakete
gestartet", staunte Michael
Brand über den Läufer im grünen
Trikot der Gildemeister AG.
Nach vier Kilometern hatte Wieser,
der schon acht Mal den
Schwäbischen-Alb-Marathon
über 50 Kilometer gewann, einen
Vorsprung von 50 Metern
auf Sansar. An der Panzerbrücke
(8,7 Kilometer) betrug Wiesers
Vorsprung sogar 30 Sekunden
auf Sansar und einer dann folgenden
Gruppe um Brand und
Volkmar Rolfes (TuS Eintracht
Bielefeld) .
"Auch in dieser Phase bin ich
nicht nervös geworden", sagte
Sansar. "Ich war mir ziemlich sicher,
dass Wieser noch einbrechen
wird und ich ihn mir dann
packen werde." Sansar sollte
sich nicht irren.
Die Vorentscheidung fiel wie
vor zwölf Monaten in Lämershagen.
2006 wurde Marcus Biehl
ein Opfer der 121 Stufen. Und
auch Wieser geriet dort ins Stolpern.
"An den Treppen habe ich
meinen Rhythmus verloren und
musste Sansar ziehen lassen",
erläuterte Wieser, der als
Zweiradmechaniker und Fitnesstrainer
arbeitet.
Dass Wieser beim Hermann
überhaupt antrat, ist ein Verdienst
von Gildemeister-Vorstandsmitglied
Michael Welt.
Der ließ sich von Wieser für eine
Hermannslauf-Teilnahme trimmen.
Kurzfristig musste Welt
seine sportlichen Pläne aber
zurückstellen. "Er bat mich, für die
Gildemeister-Mannschaft anzutreten."
Mit großem Erfolg.
Für 2008 hat Jürgen Wieser
seine Rückkehr zum Hermannslauf
angekündigt. "Dann hole
ich mir den Siegerkranz", versprach
der schnelle Debütant.
"Schließlich mache ich aus
Unkenntnis der Strecke nicht noch
einmal den Fehler, zu schnell
anzugehen."
| Fotos: |
"Ich könnte die Welt umarmen": Elias Sansar genießt den Beifall
für seinen zweiten Sieg. (FOTO: Tobias Heyer) |
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Starker Auftritt: Jürgen Wieser wurde Zweiter. (FOTO: Heyer) |
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Glücklicher Dritter: Michael Brand. (FOTO: Heyer) |
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Feuer frei: Hermannslauf-Gründer Prof. Wolfgang Schlüter
gibt den Startschuss zur 36. Ausgabe des Hermannslaufes
zwischen dem Hermannsdenkmal in Detmold und der
Bielefelder Sparrenburg. (FOTO: Christian Weische) |