Ergebnisse vom 36. Hermannslauf 2007
Pressespiegel (1)
Bielefelder Tageszeitungen:
Neue Westfälische, Nr. 100 vom Montag, den 30. April 2007
Artikel der Hermannslauf-Sonderseiten

Der stolze Elias
Sansar läuft allen davon / Debütant Wieser zeigt erst in Lämershagen Schwächen
VON JÖRG FRITZ
Bielefeld

Schon 50 Meter vor dem Ziel auf der Promenade an der Bielefelder Sparrenburg riss Elias Sansar jubelnd die Arme hoch. Den skeptischen Blick nach den Verfolgern schenkte sich der gebürtige Kurde, denn weit und breit war niemand in Sicht, der die erfolgreiche Titelverteidigung des 27-Jährigen vom TuS Eintracht Bielefeld ernsthaft in Gefahr bringen konnte.

Die Uhr blieb bei 1:48:44 Stunden stehen, als Sansar von TSVE-Funktionär Jürgen Schulz den Lorbeerkranz während des Zieleinlaufs überreicht bekam. Frisch wie beim Start wirkte der alte und neue Champion, als er sich den Fotografen stellte. "Dieser Sieg fiel mir leichter als vor zwölf Monaten", berichtete Sansar, dem die Strapazen der 31,1 Kilometer überhaupt nicht anzumerken waren. Ungewöhnlich auch, dass Sansar während dieser Distanz nicht einen Schluck Flüssigkeit zu sich genommen hatte. Seine Erklärung: "Ich kann nur laufen oder trinken. Beides zusammen funktioniert bei mir nicht."

Zweiter in diesem Rennen wurde der große Unbekannte mit der Startnummer 3.576, die von Jürgen Wieser getragen wurde. Der 38-Jährige kommt aus Baden-Württemberg und lief bei seiner Hermannslauf-Premiere mit 1:49:58 Stunden eine beachtliche Zeit. Michael Brand (NSU Brakel) folgte als Dritter in 1:51:36 Stunden. Der 24 Jahre Maschinenbaustudent war rundum zufrieden. Mit dem Bronzerang hat Brand seine bislang beste Hermannslauf-Platzierung erreicht und zudem noch eine persönliche Bestzeit aufgestellt.

Zwei Drittel des Rennens diktierte mit Jürgen Wieser der Gastläufer aus Elwangen das Geschehen. "Der ist wie eine Rakete gestartet", staunte Michael Brand über den Läufer im grünen Trikot der Gildemeister AG. Nach vier Kilometern hatte Wieser, der schon acht Mal den Schwäbischen-Alb-Marathon über 50 Kilometer gewann, einen Vorsprung von 50 Metern auf Sansar. An der Panzerbrücke (8,7 Kilometer) betrug Wiesers Vorsprung sogar 30 Sekunden auf Sansar und einer dann folgenden Gruppe um Brand und Volkmar Rolfes (TuS Eintracht Bielefeld) .

"Auch in dieser Phase bin ich nicht nervös geworden", sagte Sansar. "Ich war mir ziemlich sicher, dass Wieser noch einbrechen wird und ich ihn mir dann packen werde." Sansar sollte sich nicht irren.

Die Vorentscheidung fiel wie vor zwölf Monaten in Lämershagen. 2006 wurde Marcus Biehl ein Opfer der 121 Stufen. Und auch Wieser geriet dort ins Stolpern. "An den Treppen habe ich meinen Rhythmus verloren und musste Sansar ziehen lassen", erläuterte Wieser, der als Zweiradmechaniker und Fitnesstrainer arbeitet.

Dass Wieser beim Hermann überhaupt antrat, ist ein Verdienst von Gildemeister-Vorstandsmitglied Michael Welt. Der ließ sich von Wieser für eine Hermannslauf-Teilnahme trimmen. Kurzfristig musste Welt seine sportlichen Pläne aber zurückstellen. "Er bat mich, für die Gildemeister-Mannschaft anzutreten." Mit großem Erfolg.

Für 2008 hat Jürgen Wieser seine Rückkehr zum Hermannslauf angekündigt. "Dann hole ich mir den Siegerkranz", versprach der schnelle Debütant. "Schließlich mache ich aus Unkenntnis der Strecke nicht noch einmal den Fehler, zu schnell anzugehen."

Fotos:   "Ich könnte die Welt umarmen": Elias Sansar genießt den Beifall für seinen zweiten Sieg.  (FOTO: Tobias Heyer)
  Starker Auftritt: Jürgen Wieser wurde Zweiter.  (FOTO: Heyer)
  Glücklicher Dritter: Michael Brand.  (FOTO: Heyer)
  Feuer frei: Hermannslauf-Gründer Prof. Wolfgang Schlüter gibt den Startschuss zur 36. Ausgabe des Hermannslaufes zwischen dem Hermannsdenkmal in Detmold und der Bielefelder Sparrenburg.  (FOTO: Christian Weische)