VON JENS REICHENBACH
Detmold/Bielefeld.
Ob Schotte oder Römer, ob
Spitzensportler oder Bezwinger
des eigenen großen Schweinehundes -
alle 5.718 Läufer und
1.382 Wanderer waren gefeierte
Helden beim gestrigen
Hermannslauf zwischen Germanen-Denkmal
und Sparrenburg.
Auch wenn sie ihren
Kampf gegen Körper, Geist
und Hitze jeder für sich ausfechten
mussten, blieb auch
die 36. Auflage des traditionsreichen
Volkslaufes wieder ein
kollektives Freudenfest.
"Da kommt Papa", ruft der
kleine Dominik im Ziel und
schwingt seine Ratsche. "Papa,
Du bist spitze!", ruft der Fünfjährige,
so wie es in bunten Lettern
auf seinem T-Shirt steht. Dominiks
großer Bruder Dustin
stimmt mit ein und umarmt seinen
Vater. Michael Arnold ist
von der Hitze sichtlich geschlaucht:
"Ärgerlich, eine Minute
fehlt an den drei Stunden."
Für Dominik und Dustin ist ihr
Vater trotz des verpassten
Wunschergebnisses der Größte.
Tatsächlich stiegen die Temperaturen
außerhalb des schattigen
Waldes im Laufe des Vormittags
deutlich über die gefürchtete
20-Grad-Marke, spätestens
ab 13 Uhr erwischte die
Hermannsläufer die Hitzekeule.
Etwa 80-mal mussten die 120
Ärzte und Sanitäter an Strecke
und Ziel den Läufern zu Hilfe eilen,
zwölfmal rückte für
Rettungseinsätze ein Krankenwagen
aus. Die Einsätze blieben
dennoch im üblichen Rahmen
eines warmen Hermanns, so die
Einsatzzentrale. Zwei Besonderheiten
waren dabei hilfreich: das
angenehm kühlende Lüftchen
aus Nordosten und die tatkräftige
Unterstützung von Helfern
und Zuschauern an der Strecke.
Auch Christel Goetz wurde
wie auf Wolke Sieben ins Ziel gejubelt:
"Ich komme mir vor wie
eine Prinzessin." Die 79-Jährige
hat soeben ihren 25. Hermannslauf
hinter sich gebracht (die letzten
vier wandernd), Freundinnen
haben sie mit einem Siegerbanner
empfangen und die Zuschauer
feiern sie entsprechend
frenetisch. Sie ist die älteste
Teilnehmerin beim Hermann 2007.
"Der Zuspruch hier ist einmalig",
bestätigt auch der Bad
Oeynhauser Arne Holtmann im
Schottenkostüm. "Das Klatschen,
die Rufe, das Anfeuern
motiviert total, gerade wenn es
weh tut, kann das neue Kräfte
freisetzen." Zusammen mit seinen
ebenfalls schottisch-kariert
verkleideten Vereinskameraden
von der TG Werste, Torsten
Homeyer aus Löhne und Oliver
Flaskämper aus Herford, erlebte
er an der Strecke "einen Sturm
der Begeisterung". "Torsten
und ich haben für Oliver die Hasen
gemacht. Wir wollten ihm
helfen, unter drei Stunden zu
bleiben. Leider sind wir um wenige
Sekunden gescheitert." Der
lange Stau auf den Lämershagener
Treppen war schuld. Oberschotte
Oliver Flaskämper, Inhaber
einer bekannten Schnäppchen-Homepage
im Internet, ist
trotzdem zufrieden. "Zum
Dank lade ich meine Helfer ins
schottische Edinburgh ein."
Eine ganz besondere Leistung
bot in diesem Jahr Christin
Kulgemeyer von der TV Georgsmarienhütte.
Die Läufer aus dem
Osnabrücker Land fallen seit sieben
Jahren beim Hermannslauf
mit ungewöhnlichen Verkleidungen
und Bemalungen auf.
Im letzten Jahr glänzten sie ganz
in Schwarz-Rot-Gold bemalt,
im Jahr zuvor als Zwerge. Diesmal
liefen sie als wilde Germanen
und gerüstete Römer. Doch
diesmal trug Kulgemeyer nicht
nur einen römischen Helm mit
sich, sie hatte noch ein ganz
besonderes Zusatzgewicht dabei.
Die Hermanns-Heldin ist im
sechsten Monat schwanger.
| Fotos: |
Da kommt Papa: Für Dustin (8) und seinen Bruder Dominik (5)
hat das lange Warten im Ziel ein Ende.
Mit bunten Sprüchen auf dem Shirt und lautem Ratschen
empfangen sie ihren Vater. (FOTOS: Christian Weische) |
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Guter Hoffnung: Christin Kulgemeyer mit Schwert und Schild.
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