VON JENS REICHENBACH
Detmold/Bielefeld.
Die Beine tun auch heute noch ein
wenig weh, aber das Glücksgefühl
der 7.100 Hermannsläufer
vom vergangenen Sonntag
wird sicher für die meisten unter
ihnen länger Bestand haben
als der Schmerz. Denn Kaiserwetter
und begeistertes Publikum
sorgten für einen der fröhlichsten
Läufe in der Geschichte
des Volkslaufes.
"Dieses Jahr war wirklich
besonders schön und volkstümlich",
bestätigt Mitbegründer
Peter Gehrmann. "An den Strecken
war unheimlich viel los, ich
habe vor lauter Zuschauern
meine Frau an der Strecke gar
nicht finden können." Obwohl
sie seit Jahren immer an der gleichen
Stelle stehe. Andersherum
genauso: "Mich hat sie unter
den Läufern auch nicht entdeckt.
Das gab es noch nie." Für
Gehrmann ein Beweis für die
besonders gute Stimmung 2007.
Ähnlich erging es auch Reinhold
Görsch, der vor 23 Jahren
von Lippe nach Australien
ausgewandert war, aber für seinen
zweiten Hermannslauf extra
nach Deutschland zurückgekehrt
ist. "Jetzt geht es mir bestens,
obwohl ich am Start gefroren
habe wie ein Schneider." Der
Wind habe gerade auf den Höhen
ganz schön gepfiffen. "Ich
hätte doch eine lange Hose und
ein Unterhemd mehr anziehen
sollen", resümierte der sonnenverwöhnte
Läufer. Am Nachmittag
sei es aber immer besser
geworden. Während die nachmittägliche
Hitze viele Läufer in
Verlegenheit brachte (23 Läufer
gaben vorzeitig erschöpft auf, 80
mussten an der Laufstrecke sogar
ärztlich behandelt werden),
kam Reinhold Görsch erst mit
ihr richtig auf Touren. "Ich
konnte meine Zeit von 2006 um
satte 22 Minuten unterbieten",
sagt er lachend. Dennoch trat
das große Glücksgefühl bei ihm
diesmal erst etwas später ein.
2006 hatte er sich schon auf der
Ziellinie die Rückkehr für das
Folgejahr geschworen. "Das
kam diesmal erst nach einer halben
Stunde. Spätestens 2009
gehe ich wieder an den Start."
Bei dieser Entscheidung dürften
die gefühlvollen Hände der
Physiotherapeutinnen im
Massage-Zelt sehr hilfreich gewesen
sein. Im Akkordeinsatz kneteten
25 Physio-Schülerinnen und einige
Experten der Bielefelder
Arbeitsgemeinschaft Physiotherapie
hunderte müde Läuferwaden.
Kurz vor 15 Uhr, als ein
Großteil der Läufer noch gar
nicht im Massage-Zelt angekommen
war, hatten sie bereits 180
Beinpaare aufgelockert und vor
empfindlichen Schmerzen bewahrt.
"Ohne diese Massage
brauche ich zwei Tage länger, bis
ich wieder unbeschwert Treppen
laufen kann", sagt Läufer
Martin Hilker kurz und schließt
wieder genussvoll die Augen.
| Fotos: |
Euphorisch auf die Zielgerade: Während Thomas Edel (vorne, Startnummer 6011)
unter dem Jubel der Zuschauer nochmal zum Endspurt
Richtung Sparrenburg ansetzt, scheint Oliver Topmöller
(links, 2253) schon vorher von Glücksgefühlen
berauscht zu sein (FOTO: Christian Weische) |
| |
Sonnenanbeter: Nach dem für Reinhold Görsch "eisigen" Start
taute er mit Tochter Diana an der Sparrenburg wieder auf.
(FOTO: Reichenbach)
|