Ergebnisse vom 37. Hermannslauf 2008
Pressespiegel (1)
Bielefelder Tageszeitungen:
Neue Westfälische, Nr. 99 vom Montag, den 28. April 2008
Artikel der Hermannslauf-Sonderseiten

Sansar ist der wahre Hermann
Der 28-Jährige gewinnt zum dritten Mal in Serie den Volkslauf-Klassiker
VON JÖRG FRITZ
Bielefeld

Schon 200 Meter vor dem Ziel auf der Promenade an der Bielefelder Sparrenburg reißt Elias Sansar seine Arme hoch. Nur noch wenige Sekunden trennen den 28-Jährigen vom größten sportlichen Erfolg seiner Laufbahn. Dann ist es so weit. Die Uhr zeigt 1:47:18 Stunden an, die der für die LG Lage-Detmold laufende gebürtige Kurde benötigte, um seinen dritten Sieg in Folge beim Hermannslauf zu feiern.

Erleichterung macht sich beim Sieger breit, der seine Fäuste ballt und mehr Emotionen zeigt als in den beiden Jahren zuvor und dabei noch so frisch aussieht, als habe er sich gerade die Sonntagsbrötchen vom Bäcker geholt. Sansars Vorsprung auf den Zweiten, Thomas Bartolome vom TSV Kirchdorf, beträgt fast drei Minuten. Der Hannoveraner (1:50:16 Stunden) setzt sich knapp vor Michael Brand (Non-Stop-Ultra Brakel) durch, der wie 2007 den dritten Platz belegt (1:50:40 Stunden).

Elias Sansar ist seit Sonntag der einzig wahre Hermann. Als erster Läufer in der 37-jährigen Geschichte dieses Klassikers gelang ihm der Hattrick drei Siege hintereinander. "Ich bin meinen Stiefel runtergelaufen", sagte Sansar nach seinem nicht erwarteten Geniestreich. "Im Schopketal habe ich zu einem Zwischenspurt angesetzt und Thomas überholt", beschrieb Sansar den entscheidenden Punkt in diesem Rennen. "Und bei den dann folgenden zwölf Kilometern konnte mir niemand mehr folgen", stellte Sansar mit großer Zufriedenheit fest.

Michael Brand (25), der von vielen Fachleuten als Geheimfavorit gehandelt wurde, lobte den Dreifach-Champion in den höchsten Tönen. "Elias hat zehn Prozent Talent mehr als der Rest des Feldes. Er ist ein Stehaufmännchen und niemals unterzukriegen", sagte der Maschinenbaustudent und nahm damit Bezug auf die schwache Form Sansars zu Jahresbeginn. Nach einem Muskelfaserriss in der Wade, den er sich vor neun Wochen beim Berufsschulsport zugezogen hatte, musste Sansar eine vierwöchige Trainingspause einlegen. Zuvor hatte sich bereits seine Trainerin Ala Reinke wegen unterschiedlicher Auffassungen nach zweijähriger Zusammenarbeit von ihm getrennt.

Seine Perspektiven, den dritten Sieg hintereinander zu erzielen, waren daher denkbar schlecht. Sansar ließ sich von diesen schlechten Rahmenbedingungen aber nicht beeinflussen und prognostizierte öffentlich, erneut gewinnen zu wollen.

"Ich hab immer an mich geglaubt und letztlich mein Ding auch durchgezogen", verriet Sansar sein Erfolgsrezept und beeindruckte mit seinem tollen Lauf viele der sogenannten Experten, die ihn überhaupt nicht auf der Rechnung hatten. Allerdings räumte der angehende Kaufmann für Bürokommunikation ein, dass er wahnsinnigen Druck verspürt habe. "Bei meinem ersten Sieg 2006 war Marcus Biehl der große Favorit. Vor zwölf Monaten lief ich dann ziemlich locker zum zweiten Sieg. Diesmal verspürte ich aber eine große Portion Nervosität."

Mit großspurigen Worten im Vorfeld dieses Hermannslaufes hatte auch der letztjährige Zweite, Jürgen Wieser aus Elwangen, geglänzt. Wieser fühlte sich schon vor dem Start als Sieger. Letztlich hatte er den Mund aber zu voll genommen. "Das war gar nichts", fluchte der 39-Jährige, nachdem er nur als Vierter an der Sparrenburg angekommen war. Der Schwabe hatte denn auch eine für ihn plausible Erklärung für "das Versagen" parat: "Ich bin erst auf den letzten vier Kilometern richtig warm geworden", meinte Wieser bei Temperaturen um 20 Grad Celsius. 2009 wolle er aber erneut an den Start gehen und gewinnen, versprach Jürgen Wieser. Der einzig wahre Hermann, Elias Sansar, wird vielleicht auch auf dieses Vorhaben eine passende Antwort haben.