Bielefelder Tageszeitungen:
Neue Westfälische, Nr. 98 vom Dienstag, den 28. April 2009
Artikel der Hermannslauf-Sonderseiten
Entspannte Fröhlichkeit
Die Überraschungssiegerin Franziska Schmidt
wirkt auch nach 31 Kilometern noch ganz locker
VON HANS-JOACHIM KASPERS
Bielefeld. Selten hat man eine Hermannslauf-Siegerin
oder auch einen Hermannslauf-Sieger so entspannt über
die Ziellinie laufen sehen. Obwohl Franziska Schmidt mit
harten 31,1 Kilometern über Berg und Tal in den Beinen
gerade noch die bis dahin führende Kirsten Heckmann
überspurtet hatte, wirkte sie auf der Promenade an der
Sparrenburg locker und leicht wie nach einer kurzen
Aufwärmrunde.
Fröhlich scherzte die 21-Jährige im Ziel mit den Zuschauern,
die das neue Gesicht begeistert empfangen hatten, stellte
sich bereitwillig den Fragen der Journalisten und schrieb artig
die ersten Autogramme ihrer noch jungen Läufer-Karriere.
Vielleicht rührte die gute Laune der Sportstudentin, die vor zwei
Jahren am Gymnasium Bethel ihr Abitur gemacht hat, ja auch
daher, dass sie ohne jede Erwartung ins Rennen gegangen war
und ihren Sieg deshalb einfach nur genießen konnte. "Ich
wusste ja, dass ich mich aus der zweiten Startgruppe heraus erst
durch eine große Zahl langsamerer Läufer hindurch kämpfen
musste; das bremst normalerweise schon sehr", sagte
Franziska Schmidt - eine beeindruckendere Aufholjagd hat es beim
Hermann bisher nicht gegeben.
Sich mit gut 7.000 Mitstreitern auf eine Laufstrecke zu begeben,
ist eigentlich gar nicht das Ding der Überraschungssiegerin,
die im Training am liebsten allein unterwegs ist. Mit der
Begründung, ihr sei das Vereinstraining zu leistungsorientiert,
löste sie vor zwei Jahren ihre Mitgliedschaft bei der SV Brackwede
auf und versuchte es statt in der Gruppe auf eigene Faust,
höchstens einmal von einer oder zwei Lauf-Freundinnen begleitet.
"Außerdem bin ich von der Mittel- auf die Langstrecke gewechselt,
die liegt mir, glaube ich, besser", erklärte Schmidt -
den Beweis dafür, dass diese Selbsteinschätzung genau richtig
war, lieferte sie am Sonntag in eindrucksvoller Manier.
Entspannt sollte auch der Sonntagabend verlaufen, an
dem Franziska Schmidt mit ihren Eltern und Freunden "ein
bisschen feiern" wollte. Gestern standen dann - vielleicht doch
mit ein wenig Muskelkater - wieder Vorlesungen in der Uni an.
Fotos:
Auch nach mehr als 31 Kilometern über Berg und Tal war Franziska Schmidt im Ziel an der Sparrenburg überaus gut drauf.
Immer nur lächeln | FOTO: CLAUS-WERNER KREFT