Bielefelder Tageszeitungen:
Neue Westfälische, Nr. 96 vom Montag, den 26. April 2010
Artikel der Hermannslauf-Sonderseiten
König Elias der Fünfte
Sansars erneuter Triumph bei sommerlichen Temperaturen /
Brand trotz Schulterverletzung Zweiter / Drittplatzierter Schouren aus dem Häuschen
VON JÖRG FRITZ
Bielefeld.
Nach vier Hermannslaufsiegen darf
das Selbstbewusstsein in der Tat
groß sein. "Nur eine Verletzung
kann mich stoppen, um den fünften
Sieg in Folge zuverhindern",
meinte Elias Sansar
wenige Minuten vordemStartschuss
zur 39. Ausgabe des 31,1
Kilometer langen Geländelaufes
zwischen dem Hermannsdenkmal
in Hiddesen und der
Bielefelder Sparrenburg.
Die Aussage des 30 Jahre alten
Ausnahmeläufers der LG
Lage-Detmold kam keinesfalls arrogant
herüber, vielmehr war sie
Ausdruck seiner sportlichen
Souveränität. "Ich habe mich
sehr gut vorbereitet", sagte Sansar
am Sonntagmittag um 12.50
Uhr, nachdem er - wie erwartet
- in 1:47:27 Stunden - mit großem
Vorsprung ins Ziel einlief
und seinen fünftenTriumph verzeichnete.
Knapp drei Minuten
später erreichte Michael Brand
(NSU Brakel) in 1:50:14 Stunden
als Zweiter das Ziel und war
einfach nur glücklich. "Ich bin
froh, dass meine Schulter gehalten
hat", sagte der 28 Jahre alte
Ingenieur. Noch am Samstag
musste sich Brand wegen der
Schmerzen spritzen lassen.
Nach zwei dritten Plätzen 2007
und 2008 feierte Brand trotz dieses
Handicaps seine bisher beste
Hermannslauf-Platzierung. Für
einen Sieg kam er jedoch nie in
Frage. "Elias ist auf diesem
Kurs unschlagbar."
Mit Frank Schouren aus Passau
belegte ein echter Bayer den
Bronzerang. Der 39 Jahre alte
Chemiker, der in seiner Juniorenzeit
zur deutschen Spitzenklasse
zählte, benötigte bei seinem
zweiten Hermann nach
2008 1:53:09 Stunden. Schouren,
vor 24 Monaten Zehnter, bestimmte
die Anfangsphase des
Rennens. "Ich bin ein
Bergab-Läufer", erzählte Schouren, der
an der ersten Steigung zum Ehberg
Sansar und Brand jedoch
ziehen lassen musste.
1997 hatte Schouren mit dem
Leistungssport aufgehört, um
sich seiner beruflichen Karriere
zu widmen. "Vor zweieinhalb
Jahren habe ich wieder mit dem
Training begonnen und beim
Hermann 2008 mein Comeback
gefeiert", erläuterte Schouren.
2011 will er auf jeden Fall wieder
antreten - "bei einem der schönsten
Läufe in Deutschland überhaupt."
Als die Läufer um 11 Uhr bei
Temperaturen um 15 Grad Celsius
am Hermannsdenkmal starteten,
fehlte mit Helmut Schießl
der letztjährige Zweitplatzierte.
"Fuzzy", wie Schießl in Läuferkreisen
genannt wird, musste wegen
einer entzündeten Blase am
Fuß passen. Verzichten mussten
alle ins Ziel angekommenen
Hermannslauf-Bezwinger erstmals
auf ihre Auszeichnungen. Wegen
der Probleme im internationalen
Flugverkehr erreichten
die in Südostasien produzierten
Medaillennicht rechtzeitig Bielefeld.
Wie der ausrichtendeTSVE
Bielefeld mitteilte, werden die
Medaillen per Post nachgeschickt,
was Zusatzkosten von
mehreren tausend Euros bedeutet.
Statt Medaillen wurde den
Läufern und Läuferinnen
Schokoladen-Stückchen überreicht.
Süßes hatte sich Elias Sansar
wahrlich verdient, der erstaunlich
frisch bei gemessenen Temperaturen
um 24 Grad Celsius
unter dem Jubel tausender Zuschauer
noch ein flotten Spurt
auf der Zielgeraden hinlegte.
"König Elias der Fünfte" war mit
sich vollauf zufrieden: "Ich war
fix unterwegs. Für einen neuen
Streckenrekord war es jedoch zu
heiß." Dass Elias Sansar 2011 seinen
sechsten Hermannslaufsieg anvisiert,
gilt als beschlossene Sache.
"Der Hermann ist einmal
im Jahr, ein irres Spektakel und
zudem mein Heimrennen. Ich
werde wohl wieder starten."
Nach seinem fünften Sieg hatte
Elias Sansar nur einen Wunsch:
"Ich muss auf die Couch und
mich ausruhen." Seine Laufparty
auf der Strecke hatte Spuren
hinterlassen.