Bielefelder Tageszeitungen:
Neue Westfälische, Nr. 96 vom Montag, den 26. April 2010
Artikel der Hermannslauf-Sonderseiten
Auch beim Hermann am Gipfel
Berglaufspezialistin Schlump entführt den
Titel ins Allgäu / Platz zwei für Bitter / Bronze für Kulgemeyer
VON CLAUS-WERNER KREFT
Bielefeld. Regine Schlump
kam (aus dem Allgäu), sah und
siegte. Es war, als hätte die Immenstädterin
flink die Null aus
ihrer 2009 erreichten Platzierung
wischen wollen: Von 10 gleich auf 1,
das war ebenso überraschend
wie beeindruckend.
Die 30-jährige Berglaufspezialistin
hat jetzt auch beim "Hermann"
den Gipfel erklommen,
stand ganz oben auf dem Treppchen.
Nach einem Frauenrennen,
in dem sich viele Maßstäbe
verschoben.
Bei Regine Schlump nur
zum Positiven. Kürzlich beendete
sie den in dieselbe Serie wie
der Hermannslauf eingebundenen
Kyffhäuser-Berglauf als
Zweite.Wegen der Serie, die von
ihrem Vater gemanagt wird,
kam sie im Vorjahr an den
Teuto und bestritt hier ihr erstes
Langdistanzrennen überhaupt.
Inzwischen hat die bei Siemens
in München arbeitende Betriebswirtin
auch ihre Trainingskilometer
erhöht. "Bis zur Promenade
war ich mir meines Sieges
aber nicht sicher", erklärte sie,
"ich laufe übrigens immer nach
Gefühl, nie nach Zeit."
Bei ihrem Start-Ziel-Sieg
verbesserte sie sich um fast zehn
Minuten auf 2:18:15 Stunden
und war doch die langsamste Siegerin
seit 1984; andererseits lief
sie mit 5:54 Minuten einen Rekordvorsprung
heraus. Das Adjektiv
"langsam" aber mochte
man gestern gar nicht in den
Mund nehmen angesichts ihrer
Überlegenheit. Und angesichts
des Wärmeeinbruchs, dem die
Enttäuschung vieler Läuferinnen
über ihre Zeiten zuzuschreiben
war.
"Ich wäre gern zehn Minuten
schneller gewesen",
räumte die Vorjahrsvierte Christin
Kulgemeyer ein. Nach der Absage
der Tschechin Anna Pichrtova
galt die 32-Jährige, die unlängst
zum zweiten Mal den
Steinfurt-Marathon gewonnen
und sich bei der 10-Kilometer-
Landesmeisterschaft auf 37:21
Minuten verbessert hatte, als
Mitfavoritin.
Doch seit Beginn des Rennens
wurde sie von Übelkeit geplagt,
musste sich auch übergeben und
blieb letztlich unter Wert. Dennoch,
der Frust war schnell verflogen:
"Als Dritte habe ich meine
beste Platzierung erreicht.
Und darüber freue ich mich auch."
Erst auf den letzten drei
Kilometern wurde die für den
TV Georgsmarienhütte startende
Osnabrückerin von einer
ihr gut bekannten Laufkollegin
aus dem eigenen Kreis abgefangen:
Anja Bitter (SC Melle 03),
zum siebten Mal dabei, zählt zu
den Aufsteigerinnen. Ihre Plätze
bei den drei letzten Starts: 31 - 6
- 2. "Ich war rund eine Minute
langsamer als im Vorjahr, aber
'gefühlt' deutlich schneller." Die
41-jährige Erzieherin wurde
auch als Klassensiegerin geehrt.
Zwei Lokalmatadorinnen
vom Veranstalter TSVE teilten
sich überraschend die Plätze vier
und fünf. Marion Wittler, leichtgewichtig
und leichtfüßig, lief in
der Gesamtwertung nur knapp
an einem Medaillenrang vorbei.
Für die Doktorin der Klinischen
Linguistik sind ihre läuferischen
Fortschritte ("eine Art Quantensprung")
dem intensivierten Triathlontraining
zu verdanken,
also quasi ein sportliches
Abfallprodukt. Chance zum Aufstieg:
Das Charakteristikum dieses
Frauenrennens galt auch für die
Jüngste im Spitzenfeld:Mareike
Walkenhorst (23) verbesserte
sich vom 18. auf den fünften
Rang.