Bielefelder Tageszeitungen:
Neue Westfälische, Nr. 97 vom Montag, den 27. April 2010
Artikel der Sportseiten
Er will es wieder tun
HERMANNSLAUF:
Rekordsieger Sansar plant den sechsten Streich
VON MATTHIAS BORNHORST
Bielefeld. Am Tag danach
gönnt sich der Sieger des 39.
Hermannslaufes Hackbraten
mit Pommes und Erbsen. Elias
Sansar isst wie fast jeden Tag in
der Mensa des Berufskollegs
Dietrich Bonhoeffer in Detmold
und belohnt sich für seinen
erneuten Triumph mit einer
deftigen Mahlzeit. "Was
der französische Koch uns zaubert,
schmeckt einfach phänomenal.
Das Essen hier ist unschlagbar."
Unschlagbar - das ist auch
das passende Attribut für den
Ausnahmeläufer der LG Lage-Detmold.
Durch seinen fünften Sieg
in Serie stellte Sansar einen
neuen Rekord beim traditionsreichsten
Bielefelder Volkslauf
auf. Ob der erst 30-Jährige seine
Marke weiter ausbauen möchte,
ließ der Serientäter offen: "Für
den Start beim Hermann habe
ich mich immer erst wenige Monate
vorher entschieden. So
bleibt es." Die Tendenz gehe
aber Richtung sechste Teilnahme:
"Ein Ende ist für mich
noch nicht in Sicht", sagt Sansar.
Seit seiner ersten Teilnahme
2006 ließ Sansar keinen Zweifel
mehr aufkommen, wer der
wahre Hermann ist. Bei jeder seiner
fünf Teilnahmen gewann er.
2006 siegte Sansar in 1:45:50
Stunden - mit 91 Sekunden Vorsprung
auf Marcus Biehl. Näher
kam dem Champion lediglich
Jürgen Wieser, der 2007 in einem Abstand
von lediglich 74 Sekunden
folgte. Geradezu Welten
trennten Sansar vom Rest
des Feldes in den Auflagen 2008
und 2010, als der Dominator beinahe
drei Minuten Unterschied herauslief.
"DieFreude darüber ist riesengroß",
meint König Elias V.:
"Der Lauf und die Stimmung waren
Wahnsinn." Besonders angetan
zeigt sich Sansar von der gewaltigen
Atmosphäre in Oerlinghausen
und an der Sparrenburg.
Nach nur 1:47:27 Stunden erreichte
der Detmolder das Ziel
auf der Promenade. Dort ließ er
sich im Massagezelt behandeln,
um seine Muskeln zu entspannen.
"Die Verletzungsgefahr ist
nach so einem Lauf höher als
sonst." Muskelkater hat der
30-Jährige am Tag danach noch
nicht verspürt. "Das kommt
aber noch." Entsprechend ruhig
wird Sansar die kommenden
Tage angehen lassen: "Ich muss
mich jetzt erstmal erholen." In
den nächsten Wochen plant der
Rekordhalter lediglich "einige
kleinere Volksläufe wie vielleicht
inBorgholzhausen". Priorität
genießen für den Berufsschüler
zunächst die Abschlussprüfungen
zum Bürokaufmann.
"Anfang Mai wird es ernst. Daher
muss ich die nächsten Tage
lernen." Sansars Glanzläufe begeistern
auch den veranstaltenden
TSVE. "Elias ist unser sportliches
Zugpferd", sagt Sonja
Kley: "Er lockt andere Spitzenläufer
an." Die Pressesprecherin
hofft aber für das nächste Jahr
"auf einen spannenden Zweikampf
auf der Ziellinie". Zu imposant
sei Sansars Vorsprung
bei den vergangenen Läufen gewesen.
Kley sieht das Potenzial
des Rekordhalters aber noch
nicht ausgeschöpft: "Ich glaube,
er kann seine Bestzeit noch knacken.
Dieses Jahr war die Hitze jedoch
zu groß."
Die sommerlichen Temperaturen
machten nicht nur den
Topläufern zu schaffen: "Dadurch
blieben viele hinter ihren
Erwartungen zurück", sagt Kley.
Die widrigen Streckenbedingungen
- bedingt durch den harten
Winter - hätten den diesjährigen
"Hermann" zusätzlich erschwert.
"Trotzdem haben nur rund 200
Läufer aufgegeben." Für 40 davon
endete der 39. Hermannslauf
allerdings im Krankenhaus.
Herzinfarktpatienten geht’s besser
Zwei Hermannsläufer waren
am Sonntag mit akutem
Verdacht auf Herzinfarkt ins
Krankenhaus gebracht worden.
"Beide Patienten sind stabil",
berichtete Jens Kornblum
am Montag. Der Einsatzleiter
der Rettungskräfte hatte angesichts
der verschärften Situation
an der Strecke Verstärkung
angefordert: "Wir haben
zehn Rettungshelfer von der
Alm abgezogen. Die Einsatzkräfte
kamen nach dem Abpfiff
zur Sparrenburg." Dort behandelten
die Rettungskräfte mehr
als 100 Läufer - neuer Höchststand
beim Hermann. (bor)