Ergebnisse vom 40. Hermannslauf 2011
Pressespiegel (1)
Bielefelder Tageszeitungen:
Neue Westfälische, Nr. 91 vom Montag, den 18. April 2011
Artikel der Hermannslauf-Sonderseiten

Laufpensum: Sehr gut
Bielefelder Lehrerin Pfenningschmidt gewinnt den Hermannslauf vor Russin Vokueva
Bielefeld. Das Frauenrennen hielt, was es an Spannung und Leistungsdichte versprach. Eine Top-Zeit von 2:06:03 Std. zu erzielen und damit - wie gestern Kirsten Heckmann - als Vierte nicht aufs Treppchen zu kommen, das hatte es in der 39-jährigen Geschichte des Teuto-Klassikers noch nicht gegeben. Die neue Königin des Hermannslaufs heißt Silke Pfenningschmidt, sie dominierte zuletzt klar und streifte mit 2:01:38 Std. das Traumlimit.

Im Trikot der SV Brackwede, das sie 1998 schon als Bielefelds saisonbeste 100-m-Sprinterin trug, lief die 28-Jährige einen am Ende klaren Vorsprung von 3:16 Minuten heraus. Am Tönsberg hatte es danach noch nicht ausgesehen. Den wartenden Zuschauern im Zielbereich gab Moderator Wolfgang Temme die Information durch, dass sich dort die viermalige russische Berglaufmeisterin Zhanna Vokueva leicht abgesetzt habe. Bahnte sich also doch der erste Hermannslaufsieg einer Ausländerin an?

"Wenn’s bergauf ging, spielte sie ihre Vorteile aus", berichtete Pfenningschmidt später, "bergab habe ich sie dann eingefangen. Oben musste ich immer kurz warten, bis die Beine wieder okay waren." Ein Wechselspiel, das sich seit dem Start mehrmals wiederholte. Anfangs hielt auch die Neuseeländerin Anna Frost mit, die bei der Berglauf-WM 2010 in Manitou Springs (USA) Bronze gewonnen und die beste Deutsche um zwölf Minuten distanziert hatte.

"Der Kurs heute war schön, für mich aber zu flach, ich brauche steiles Gelände", erklärte die drittplatzierte Weltenbummlerin in Sachen Berglauf. "Jetzt fahre ich zum Three-Peaks-Run in Großbritannien und dann zu einem Rennen in Australien". Gestern verlor sie das Salomon- Cup-Duell gegen Vokueva, die in einer Kleinstadt nahe Archelansk aufgewachsen ist. Die Niederlage gegen Silke Pfenningschmidt schien den 1,63 m großen 'Bergfloh' nicht zu betrüben; freudestrahlend lief die 24-Jährige ins Ziel.

Ab Oerlinghausen hatte Pfenningschmidt ihre Führung nicht mehr abgegeben, sie vielmehr immer weiter ausgebaut, ohne sich nach der Hauptkonkurrentin umzuschauen. Die Frage, ob sie vorher den Sieg angestrebt habe, beantwortet sie so: "Ich gehe lieber vom ungünstigeren Ergebnis aus und wollte hier unter den fünf Besten sein. Wenn ich mich mit einem Maximalziel unter Druck setze, geht’s eher daneben." Die Überraschungszweite von 2007 nach dem Zieleinlauf erstaunlich schnell erholt. "Es war natürlich kein reiner Spaßlauf, aber auch keine Quälerei."

Unter den Augen ihrer Eltern Jutta und Michael, unterwegs auch angefeuert von ihren Schülern, gelang der Lehrerin für Deutsch, Englisch und Biologie die beste Zeit seit der Streckenverlängerung um rund 400 Meter. Vorher ist nur eine Läuferin je schneller gewesen: die viermalige Siegerin Doris Koslowski aus Hiddesen (1:59:26/1992). Gestern feierte die inzwischen 51-Jährige als Siebte ein beeindruckendes Comeback.

Eines Tages könnte sicher auch Silke Pfenningschmidt die zwei Stunden unter den neuen Bedingungen 'knacken'. Ihre nächsten Pläne orientieren sich an kürzeren Strecken wie 5.000 oder 10.000 Meter: "Marathons kann man auch als ältere Läuferin noch bestreiten." Vereinskollegin Kirsten Heckmann, die Siegerin des Jahres 2006, ließ gestern keinerlei Frust über den 'undankbaren' 4. Rang erkennen, sondern registrierte glückstrahlend ihre Zeit. "Meine bisherige Bestmarke lag ja bei 2:12:24, jetzt war ich mit 2:06:03 mehr als sechs Minuten schneller", ließ die promovierte Mathematikerin Zahlen sprechen.

Ähnlich äußerte sich auch Anja Bitter (42) aus Melle, obwohl sie 2010 Zweite und jetzt 'nur' Achte wurde: "Wenn ich persönliche Bestzeit laufe, bin ich immer zufrieden." Als drittbeste Ostwestfälin lief Melanie Genrich (DJK Gütersloh) auf Rang 5 ein; unter die Top Ten schaffte es auch wieder die dreimalige Siegerin Heike Mohn (44) vom Veranstalter TSVE.