Ergebnisse vom 29. Hermannslauf 2000
Pressespiegel (1)
Bielefelder Tageszeitungen:
Westfalen-Blatt, Nr. 101 vom Montag, den 1. Mai 2000
Artikel der Sport-Sonderseite zum Hermannslauf

Start-Ziel-Sieg für Marcus Biehl
Der Traumlauf zum Wunschtraum
B i e l e f e l d (WB/tip).

Für viele ostwestfälische Läufer wäre der Sieg beim Hermannslauf einfach das Größte. Für Marcus Biehl war es gestern noch ein bisschen mehr. Der 30-Jährige aus Oerlinghausen erfüllte sich im Trikot der SV Brackwede mit seinem Triumphlauf vom Hermannsdenkmal zur Sparrenburg einen Kindheitstraum.

"Bereits als Dreijähriger habe ich am Tönsberg gestanden und meinem Vater Traubenzucker gereicht", erinnerte sich der Start-Ziel-Sieger des 29. Hermannslaufes daran, wie sich bei ihm Bewunderung und Begeisterung seit der Kindheit zu einem großen Ziel zusammengefunden hatten.

Zum Symbol des Siegers wurde gestern die geballte Faust. "Gigantisch, einfach gigantisch", ließ Biehl nach dem Zieldurchlauf seinen Gefühlen freien Lauf und reckte mit dem Siegerkranz um den Hals immer wieder die Hände in den Himmel, "schade nur, dass ich so kaputt war, es nicht richtig genießen zu können." Und dabei hatte der Lokalmatador sich seinen Traumlauf optimal eingeteilt. Immer vorn weg, aber nie ganz am Limit. "Ich bin das Rennen so angegangen, dass ich auf den letzten fünf Kilometern noch richtig Gas geben konnte. Das aber war gar nicht mehr nötig.

In Abwesenheit der gemeinsamen Vorjahressieger Carsten Breitenbach (Startverzicht wegen gesundheitlicher Probleme) und Ingmar Lundström (lief nach längerer Trainingspause nur zum Spaß) hatte Biehl die Konkurrenz bereits vor dem Endspurt entscheidend abgehängt. "Ich habe gemerkt, dass bei den Anstiegen der Abstand immer größer wurde", spürte der Vorjahresdritte aber schon früh, dass niemand ihm den Titel streitig machen konnte.

Die Konkurrenz erkannte bei mehr als drei Minuten Rückstand die Überlegenheit neidlos an. "Bei Kilometer sechs wusste ich, dass ich nicht mithalten kann", meinte Carsteri Thoma von Non Stop Ultra Brakel, ein 10-Kilometer-Experte, der lange wie der sichere Zweite aussah und dann auf der Zielgerade doch noch von Claus Seifert überspurtet wurde.

Marcus Biehl, der in der Vorbereitung an einer Entzündung der Patellasehne gelitten hatte, konnte sich zu diesem Zeitpunkt bereits feiern lassen. Ob er im nächsten Jahr wieder starten wird, ließ er allerdings. offen. "Erst muss ich meinem Knie etwas Pause geben und dann möchte ich Fahrrad fahren. Denn ich bin nicht nur Läufer, sondern liebe auch andere Sportarten." Die Hingabe zum Hermannslauf wird aber dennoch für den Oerlinghausener etwas Besonderes bleiben.