Bielefelder Tageszeitungen:
Westfalen-Blatt, Nr. 96 vom Montag, den 26. April 1999
Artikel der Sport-Sonderseite zum Hermannslauf
Paarlauf-Sieg beim "Hermann"
Hand in Hand zur Sparrenburg
Von Antje S t r o t h m a n n und Anne S c h i l d m a c h e r
B i e l e f e l d (WB/pa).
Zwei schnelle Läufer kamen beim
28. Hermannslauf nach 30,7 Kilometern Hand in Hand über
die Ziellinie: Ingmar Lundström (LC Solbad Ravensberg)
und der Siegerländer Carsten Breitenbach (TuS Deuz).
1:46:51 Stunden benötigten sie
vom Hermannsdenkmal in Detmold bis
zum Ziel an der Bielefelder Sparrenburg.
Obwohl beide unterwegs mehrfach versucht
hatten, sich abzusetzen, gelang keinem
der entscheidende Vorstoß.
Drei Kilometer vor Schluß waren
sich Ingmar und Carsten einig:
"Das machen wir gemeinsam."
Zuletzt hatten dies 1987 Frank
Weidler und Tony Marshall
ebenso gehandhabt.
Eine andere Art von Doppelsieg gab
es bei den Damen: Hier ließen die
beiden Bielefelderinnen Heike Saeger
(TSVE/2:08:30) und Sonja Schade
(DAV/2:12:44) die gesamte weibliche
Konkurrenz hinter sich.
Auf dem dritten Rang folgte die
Duisburgerin Bärbel Halfmann, die
sich im Vorfeld bei vielen Sportfreunden
über die Strecke informiert hatte.
"Die haben mir nicht zuviel versprochen,
das ist wirklich ganz schön
hart hier".
Für die Siegerin Heike Saeger ging ein
ganz großer Traum in Erfüllung.
Nach dem dritten Platz im Vorjahr
gelang ihr nun ein deutlicher Triumph.
"Es hat sich ausgezahlt, daß ich
mich anfangs sehr zurückgehalten
habe", berichtete die 32jährige
TSVE-Läuferin und bedankte sich
bei ihrem Begleiter Bernd Rieke.
"Erst kurz vor der Bergwertung
habe ich die Führung übernommen.
Und dann war es natürlich toll:
Überall war was los, die vielen
Leute haben mich total unterstützt.
Bernd hat mich unterwegs gemahnt:
Wink' nicht zurück und spar' deine
Kräfte." Auf der Promenade
strahlte sie überglücklich und genoß
den Applaus der zahlreichen Zuschauer
bei herrlichem Frühlingswetter.
Ingmar Lundström und Carsten Breitenbach
teilten sich die Freude über den Erfolg,
als sie fast zwei Minuten vor dem übrigen
Feld Hand in Hand ins Ziel kamen.
25 Kilometer lang hatten sie sich
"abgetastet", unterwegs
über alles mögliche miteinander geredet.
Und irgendwann war klar, daß sie zusammen einlaufen.
Nach den Lämerhagener Treppen startete
keiner mehr einen Angriff. Für
Ingmar Lundström hatte sich in
den vergangenen vier Monaten alles
um den Hermannslauf gedreht."
Das ist mein größter sportlicher Erfolg" ,
strahlte der 27jährige Triathlet
nach seinem sechsten "Hermann".
Ich habe mich intensiv vorbereitet
und sehr bewußt ernährt", erzählte
der Sportstudent. Ein Kartoffelpulver,
"das aussieht wie Kleister
und auch so ähnlich schmeckt"
war sein Erfolgsgeheimnis.
Auf die Ernährung achten muß
auch Carsten Breitenbach, allerdings
weil der 30jährige Bäcker aus dem
Siegerland seit 13 Jahren Diabethiker
ist. Beim "Hermann" ist er ohne die
sonst bei seinen Marathonläufen
übliche Zusatzverpflegung ausgekommen.
"Es lief gut, und ich fühle mich
auch jetzt noch frisch",
berichtete Carsten Breitenbach im Ziel.
Marathonpläne schmiedet er für
dieses Jahr noch mit hohen Zielen:
"Ich möchte im Herbst in Essen die
2:20 Stunden knacken. Wenn das klappt,
wäre es ein schöner Abschluß,
denn nächstes Jahr ist Schluß
mit dem Leistungssport."